Lauf-Training in Zeiten des Corona Virus – eine persönliche Meinung

von run.de am 26. März 2020

Noch kürzlich brach über uns eine Welle von Absagen ins Haus. Laufveranstaltungen auf die wir monatelang hintrainiert haben, wurden abgesagt oder weit in die Zukunft verschoben. Es brach für viele Sportler förmlich eine Welt zusammen.

Mit Tagen des Abstandes und dem Wissen, dass das Corona Virus nun auch direkt bei uns angekommen ist, rückt die Absage der Veranstaltungen in den Hintergrund und es stellt sich die Frage wie es nun weiter geht und was sinnvoll ist.

Ich schreibe seit Jahren individuelle Trainingspläne für meine Klienten. Das mache ich auch aktuell in diesen Zeiten.
In der Vergangenheit musste ich viele trösten, die einmal auf 10km eine 55:06 gelaufen sind und sich geärgert haben nicht sub55 gelaufen zu sein.

Kürzlich musste ich trösten und auf meine Kundschaft einreden, dass ein ausgesetzter Wettkampf kein Weltuntergang ist.

Was ich sagen will: nebst dem Erlebnis an einem Lauf teilgenommen zu haben ist für viele das zeitliche Ergebnis wichtig. Sprich: die eigene Leistung. Die Zeit die der Sportler gebraucht hat um von A nach B zu kommen. Was fehlt jedoch wirklich? Nur das Erlebnis und ebenso die Beurkundung.
Was jedoch nicht fehlt ist das eigene Können!

Dies soll bedeuten: Wer Mitte März bereits so gut war, dass er seine sub55 auf 10km laufen konnte, der wird diese Fähigkeit nicht verlieren und dies zu einem späteren Termin nachholen können. Das sind die guten Neuigkeiten!

Ich selbst habe erst mit 28 Jahren angefangen zu laufen. Ich habe also Jahre mit nicht-laufen „verschwendet“.

Warum soll das nun für einen Sportler mit 38 Jahren oder 56 Jahren  so existentiell wichtig sein? Warum muss es unbedingt jetzt und dieses Mal sein?

Den New York Marathon gibt es dieses Jahr womöglich zum 50. Mal. Wie viele davon sind wir nicht mitgelaufen? Wie viele davon haben wir am TV verfolgt weil wir interessiert waren aber eine Teilnahme für uns nicht existentiell erschien? Wie oft fand der New York Marathon statt als uns der Laufsport (noch) gar nicht interessiert hat? Gleiches könnt ihr natürlich für Hamburg, Freiburg etc. anwenden.

Es gibt eine Zeit „danach“ und ihr werdet auch da wieder stark sein!

Besinnt Euch auf das Wichtigste: bleibt gesund.

Meine persönliche Empfehlung:

Saisonpause jetzt! (für die, die auf ein Ziel hintrainiert haben welches im Frühjahr stattfinden sollte)

Eine Saisonpause heißt keinesfalls, dass man sich nun nur noch zwischen Kühlschrank und Sofa bewegen sollte, nein man sollte weiterhin trainieren aber einfach anders.

Legt Wert auf gezieltes Stabilisationstraining daheim, im Garten oder allein im Freien! Wer eine tolle Leistung erbringen möchte muss an allen Stellschrauben drehen. Wem Wettkampfzeiten egal sind, der tut dennoch gut sich mit dem Thema Stabilität und Mobilität auseinander zu setzen. Wir wollen ja noch gesund bleiben und unseren Bewegungsapparat lange und optimal nutzen.

Gerade heute kommt es mehr und mehr auf ein gutes Immunsystem an. Das betrifft uns alle. Trainiere ich hart oder bin ich gar im Übertraining mache ich mich angreifbar. Das Wort „Open Window“ hat sicher schon jeder einmal gehört. Ansonsten kurz erklärt: gut ausgepowert fährt der Körper runter ist anfällig für Infekte; natürlich auch für Viren. Deswegen rate ich ab, es im Training zu übertreiben und hier aktuell seine Grenzen auszuloten.

Es macht gerade keinen Sinn für einen Frankfurt Marathon in 7 Monate Intervalle im 10er Wettkampftempo mit kurzen Trabpausen zu schrubben.

Mein Tip ist daher eher: „gemütliches“ Halbmarathonrenntempo bis maximal 40min oder eben noch langsamer laufen.

Gerade für die aktuelle Zeit ist es wichtig fürs Immunsystem zu trainieren. Das heißt: Umfänge zu laufen in niedrigen Pulsbereichen und damit keinen Open Window Effekt zu ermöglichen. Das Herz und die Atemwege stärken. Keine langen Läufe mit übertriebenen Endbeschleunigungen etc.

Das ist nur für die aktuelle Zeit. Klar sind Intervalle wichtig in der direkten Wettkampfvorbereitung und ebenso lange Läufe mit Endbeschleunigungen. Genauso wie eben auch Wiederholungsläufe wichtig sein können und Fahrtspiele. Aber letztere dann auch nur mit Maß.

Ich verspreche Euch: Ihr werdet deswegen nicht gleich dramatisch schlechter wenn ihr nun einfach „gesünder“ trainiert. Die richtige Zeit wird kommen, aber für seinen Saisonhöhepunkt in 7 Monaten ist dies aktuell nicht nötig; zumal man Gefahr läuft diesen Höhepunkt verfrüht zu haben und nachher noch 2 Monate vergeblich versucht die Form zu halten.

Fahrt also Umfänge runter, Puls runter, macht Stabilisation und Mobilisation. Auch die Ernährung ist sicherlich eine Säule die Euer Vorhaben dabei unterstützt.

Niemals neu für mich – bedingt auch durch viele Aufenthalte und Reisen hin und her – war die Einnahme von 50mg Zink, 400ng Selen und ausreichend viel Vitamin C. Diese Empfehlung weiß ich nunmehr seit mehr als 8 Jahren als ich erstmalig bei Dr. Ulrich Strunz um Rat fragte. Auch im aktuellen Newsletter der Forschungsgruppe Dr.Feil aus Kusterdingen wurde hierüber berichtet. Ergänzt wurde dies noch mit Ingwer.

Ich gehe noch eines weiter und rate ebenso zu Rote Beete Saft. Ein großes Glas pro Tag. Es schmeckt gekühlt übrigens wesentlich besser als bei Zimmertemperatur 😉.

Auch Rote Beete Saft hilft uns – nicht nur jetzt – sondern auch schon früher. Blutgefäße werden erweitert und das Blut fliesst besser. Es ist daher auch ein Tip für Personen mit Bluthochdruck und hat noch viele weitere Vorteile auf der Hand.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Weniger Kilometer laufen; diese dann in niedrigen Pulsbereichen unter 140 Schlägen. Wer Angst hat er verschlechtert sich von heute auf morgen streut gern einmal die Woche einen kurzen Lauf im Halbmarathonrenntempo ein und springt gleich ins Auto und zieht sich trockene Kleidung an.

Achtet auf die Ernährung mit frischem Obst und Gemüse für eine gute Vitaminversorgung und ausreichend Ballaststoffen und ergänzt evtl. noch mit Zusatzpräparaten (ich spreche hier eher von Zink, Selen und nicht von Eiweißpulvern 😉). Stabilisation und Mobilisation schleifen den Athleten für seine zukünftigen Aufgaben. Aber auch hier keine 25 gepressten Liegestütz, sondern lieber die gesunden, die qualitativ gut sind und man keine Pressatmung bekommt.

Wenn Du dieser Sub55 Läufer bist und Du Dich jetzt nicht beweisen konntest weil Dein Wettkampf abgesagt wurde dann möchte ich Dir sagen:

Wenn Du es wirklich drauf gehabt hast, dann wirst Du es auch weiterhin drauf haben! Der Tag, an dem Du dies aktenkundig machst, dieser wird kommen!

Bleibt gesund, achtet auf Eure Mitmenschen und auf Euch. Bleibt fit und übertreibt nicht!

#keeponrunning

euer Flo!


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